Kodak E100: Wenn Perfektion auf die Baustelle trifft – Ein Selbstversuch

Unsere ersten Baustellenfotos mit Kodak E100

Es gibt diesen einen Moment, wenn man einen entwickelten Diafilm gegen das Licht hält: Man sieht nicht das Negativ, man sieht die fertige Welt. In klein, in Farbe, in Perfektion – oder eben nicht. Während wir bei Klassikern wie dem Kodak Gold oder unseren geliebten Schwarz-Weiß-Filmen im Labor noch viel „biegen“ können, ist der Kodak E100 ein finales Urteil.

Unser Alltag: Zwischen Beton und Schwarz-Weiß

Normalerweise ist unser Arbeitsalltag als Baustellenfotograf eher durch Struktur und Kontrast geprägt. Die meisten unserer analogen Baustellenfotos entstehen auf Filmen wie dem Ilford HP5 Plus. Wenn wir doch mal Farbe brauchen, greifen wir meist zum gutmütigen Kodak Gold.

Doch kürzlich sind wir über ein paar Rollen des legendären Kodak E100 gestolpert – ein Farb-Positiv-Film (Diafilm), wie man ihn von früher kennt. Preislich spielt er definitiv in der Oberliga, was in der analogen Welt schon etwas heißen will. Wagemutig haben wir zwei Rollen eingepackt: Das Abenteuer Farbpositiv konnte beginnen.

Unsere ersten Baustellenfotos mit Kodak E100
Unsere ersten Baustellenfotos mit Kodak E100

Die Angst vor dem „finalen Urteil“

Bevor es ans Fotografieren ging, stand die Recherche an. Während unser bewährter HP5 fast jeden Belichtungsfehler verzeiht, eilt dem Diafilm der Ruf voraus, gnadenlos zu sein. Die Belichtung muss sitzen – ein Punkt, der in der oft hektischen Baustellenfotografie schnell zum Verhängnis werden kann.

Unser Setup für den Test:

  • Kamera: Pentax 67 auf Stativ.

  • Bedingungen: Schwieriges, eher schlechtes Licht.

  • Herausforderung: ISO 100 lässt kaum Spielraum für Fehler.

Der Moment der Wahrheit (und ein blauer Dämpfer)

Als die Post vom Garage Film Lab aus Wien kam, war die Spannung groß. Das Ergebnis? Ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits: Ein großformatiges Positiv in Händen zu halten, ist ein haptisches Erlebnis, das kein digitaler Screen ersetzen kann. Die Scans waren so brillant und scharf, dass sie jeden Zweifel an der Daseinsberechtigung von Film sofort ausräumten.

Andererseits gab es die „Ego-Checks“:

  • Die Kelvin-Falle: Der E100 ist auf Tageslicht (5500 Kelvin) abgestimmt. Im Schatten der Baustelle quittierte er uns das mit einem deutlichen Blaustich. Hier hätten wir mit Warmfiltern gegensteuern müssen – eine Lektion in Demut vor dem Licht.

  • Harte Kontraste: Der Spielraum ist eng. Wo wir digital Schatten einfach aufhellen, bleibt beim E100 schwarz einfach schwarz.

Unsere ersten Baustellenfotos mit Kodak E100
Unsere ersten Baustellenfotos mit Kodak E100

Fazit: Kreativschub oder bürokratische Hürde?

Man muss es so deutlich sagen: Mit Kosten von etwa 5 bis 6 EUR pro Foto (Film, Entwicklung, Scan) sitzt einem der Preis im Nacken. In der Baustellenfotografie muss es oft schnell gehen; wir fotografieren Motive oft mehrfach, um den perfekten Moment oder Fokus zu erwischen.

Beim E100 fühlte es sich fast so an, als würde uns der Film eine Schranke vorschieben. Die akribische Planung raubt uns gefühlt die Spontaneität und Kreativität, die unsere Arbeit eigentlich ausmacht.

Wird der E100 unser neuer Standard? Definitiv nicht. Aber er hat uns wieder einmal gezeigt, wie wichtig das Verständnis für Licht und Material ist. Wir werden ihn wieder nutzen, müssen aber erst noch Frieden mit seiner gnadenlosen Art schließen.

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